Mein Zuhause #Richtig Lüften leicht gemacht

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Hier mal ein Beitrag in ganz eigener Sache. Durch meine Arbeit und meine Kunden bin ich seit ein paar Jahren speziell auf dieses Thema “richtig Lüften“ sensibilisiert worden. Bei jedem Schichtwechsel von Herbst zu Winter erreichen mich fast wöchentlich Hilferufe von verzweifelten Besitzern oder Bewohnern aller Arten von Immobilien / Häuser / Wohnungen.

Sobald der Winter anklopft, grüsst das tägliche Lüftungs- Ritual

Für einige tägliche Routine, für die anderen eine bekannte Pflicht die gerne Vergessen geht.

Kennst du die Situation? Es ist November, Montag Morgen 6.30 Uhr.
Der Wecker klingelt. Ein müder Blick zum Fenster heraus: draussen ist es kalt und neblig. Die Hektik beginnt: Anziehen, Frühstück machen, die Kinder wecken, den Mann verabschieden, Zähneputzen… Kinder zur Schule schicken, Unterlagen für die nächste Sitzung einpacken, Haustüre schliessen und der Alltag beginnt.

Sobald wir aus dem Haus / Wohnung sind, fragt sich keiner von uns:
Haben wir unsere Räume / Wohnung genügend gelüftet?  Nein eher nicht.
Die Frage währe wohl eher: Haben wir die Haustüre auch wirklich geschlossen?
Bei mir ist es leider so. Vielleicht ja bei manchem Leser hier auch?

Warum ist “richtig“-Lüften für unsere 4-Wände so wichtig?
Ganz einfach: Um die Entstehung von Schimmel nicht zu begünstigen. 
Hast du diese Erfahrung vielleicht auch schon gemacht? Wenn die Antwort Ja ist, möchte ich behaupten, es war keines Falls eine Lustige Situation. Denn die meisten Leute reagieren mit ausgeprägter Angst auf die schwarzen Flecken an Wänden und an der Decke. Was natürlich auch verständlich ist. Denn ich vermute die meisten Betroffenen wissen gar nicht warum es dazu kam. Meiner Feststellung nach fehlt es vieler Orts an Aufklärung über das Thema. An den wenig anderen Orten an blinder Sturheit! Ganz ehrlich? Bis vor ein paar Jahren wusste ich selber nicht, dass “Lüften“ soviel bezwecken kann. Als Ziel habe ich mir gesetzt, mit diesem Beitrag einen hoffnungsvollen Lichtblick in diese verzwickte Angelegenheit zu bringen.

Wie und warum entsteht Schimmel überhaupt?
Diese Frage stellen wir uns eigentlich erst dann, wenn es schon zu spät ist.
Aber gehen wir der Ursache einmal zusammen auf den Grund.
Es gibt unzählig verschiedene Arten von Schimmel. Bilden sich genügend Schimmelporen können diese Augen, Atemwege oder Haut Reizungen verursachen.
Allergiker reagieren bereits bei geringer Konzentration auf die Schimmelgifte.
Aber wie entsteht dieser Schimmelpilz denn nun in unserer Wohnung?

Ursache: zu feuchte Luft in der Wohnung
Wir erkennen dieses Problem als aller erst an Fensterscheiben oder am Badezimmer Spiegel. Raus aus der wohltuenden Dusche wollen wir uns im Spiegel begutachten können uns aber nicht sehen, weil der Spiegel angelaufen ist. = Kondenswasser !
Oder wir ziehen am Morgen früh mit zugekniffenen Augen unsere schönen Fenster Gardinen zu Seite und wir stellen Wasser Tropfen am unteren Bereich des Fensters fest = Kondenswasser !
Die Entstehung von Kondenswasser ist abhängig von der Feuchtigkeit in unserer Raumluft. Also die Luft enthält Feuchtigkeit so viel ist klar, eigentlich ist es  unsichtbarer Wasserdampf.
– Je wärmer  unsere Raum Temperatur ist, desto mehr Wasserdampf  / Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen.
Je kälter Temperaturen herrschen, desto trockener ist die Luft.
Aber wie entsteht Kondenswasser? Sobald die warme, feuchte Luft auf kalte Oberflächen trifft, kühlt sie ab. Das heisst sie kann weniger Feuchtigkeit mit sich tragen. In diesem Moment erreicht die feuchte, warme Luft den sogenannten: Taupunkt. Die Luft gibt die überflüssige Feuchtigkeit ab und es bildet sich auf kühlen Oberflächen Kondenswasser. Ich weiss das klingt jetzt alles ziemlich kompliziert. Aber wir erleben dies ständig beim Duschen oder Baden in unseren Badezimmern. Ausser natürlich ihr habt einen beheizten Spiegel!

Feuchtigkeitsquellen gibt es jede Menge in unserem Haushalt. Sei es beim Duschen, Baden, Wäsche trocknen, Zimmerpflanzen, beim Kochen, Haustiere und natürlich der Mensch selber. Also heisst dies automatisch, umso mehr Leute in einem Haushalt zusammenleben, umso mehr Feuchtigkeit produzieren wir stündlich.

Da wir Menschen Gewohnheitstiere sind, möchten wir in der Überganszeit vom Herbst zum Winter natürlich keine Einschränkung in unserem Haushalt erleben.
Also werden in den meisten Fällen ab Herbst die Heizungen aufgedreht um unsere Wohlfühl- Temperatur beizubehalten. Was heisst? Genau, unsere warme Luft kann sich genüsslich mit der von uns produzierten Feuchtigkeit sättigen.

Feuchte Luft trifft auf Kühle Oberfläche = Kondenswasser
Kondenswasser + Raumwärme = Schimmelbildung

Das Problem ist nun eigentlich ganz simpel erklärt.
In jedem Raum mit viel Luftfeuchtigkeit bildet sich auf kalten Oberflächen Kondenswasser. Dieses Kondenswasser ist der Nährboden für jeden Schimmel. Schimmel hat es gerne warm und feucht. Und überall wo diese zwei Komponenten zusammen kommen, nistet er sich ein und TATATAAA es entsteht = Schimmel.

Wo entsteht Schimmel am häufigsten?
Einfach zum merken: überall an kühlen / kalten Oberflächen.
Die Spitzenreiter der Risikoquellen:
Aussenwände, Aussenwände sind immer kühler als die Wände im Inneren einer Wohnung oder eines Hauses. Warum? Die Innenwände werden von meistens zwei Seiten her warm gehalten. Die Aussenwände werden von der Aussenluft abgekühlt und von der Innenluft aufgewärmt. Das heisst wieder: Taupunkt, es bildet sich schneller Kondenswasser an einer Aussenwand.
Fenster Leibungen, im Übergang vom Fensterrahmen zur Aussenwand entsteht eine sogenannte “Wärmebrücke“. Diese Schwachstelle in einem Haus kann man nicht vermeiden. Es wird in diesem Bereich immer ganz wenig, wahrscheinlich nicht einmal spürbar Luft eintreten. Zwar kalte Luft. Und diese Luft kühlt im Bereich der Fenster die Leibungen oder die Fenster Rahmen aus. Das heisst wieder: es bildet sich schnell Kondenswasser.
Badezimmer, Feuchtigkeit wird beim Duschen oder Baden, beim Zähneputzen, vom trocknendem Badetuch, vielleicht sogar vom Wäschetrockner freigesetzt. Mehr geht fast nicht. Der normale Menschenverstand schaltet sich ein und wir machen ein Fenster auf. Jene die ein Innenliegendes Bad haben, wütet zu dieser Zeit wahrscheinlich schon der Lüfter mit ohrenbetäubendem Lärm.
Schlafzimmer, wir träumen in unserem kuscheligen Bett und wälzen uns von einer Seite zur anderen und geben ohne es zu merken bis zu ca. 1000 g Feuchtigkeit pro Nacht ab.

Was können wir gegen Schimmelbefall tun?
Eigentlich ist es ein ganz banale Sache, du wirst bestimmt schmunzeln, nämlich ganz einfach! L Ü F T E N !
Genau. Aber nicht einfach lüften, sondern R I C H T I G lüften. Ich erkläre dir wie.

Also zuerst ist eine wichtige Voraussetzung: Kauf dir einen guten Thermo- Hygrometer. Mit Hilfe dieses Gerätes kannst du dein Wohnungs- Klima überwachen. Schau dabei auf die Qualität des Gerätes. Ich sage nicht, das teuerste ist immer das beste, aber vielleicht gibt’s bei dir um die Ecke ein Fachgeschäft, wo du das Gerät kaufen kannst. Der Thermo- Hygrometer sollte dir auf jeden Fall die Raum-Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit in Prozent Werten angeben. Manchmal hat’s sogar ein Smiley, der lächelt oder grimmig drein schaut, wenn’s Ihm bei dir gefällt oder eben nicht. Und Ach ja, wenn du schon dabei bist, kauf am besten gleich zwei davon. So kannst du, wenn deine Wohnung / oder Haus gross ist, in verschiedenen Räumen das Klima überwachen oder ein Gratis Tipp: Stell eines davon aufs Fenstersims AUSSEN am Fenster. Ich verrate dir gleich noch wieso. Wenn du so ein praktischen Helfer in Eurem Haushalt hast, kann FAST nichts mehr schief gehen.

Und was tust du nun mit diesem Thermohygrometer genau?
Mach die Batterien rein und stellt es zuerst einfach mal auf. Das Gerät muss sich zuerst ein kalibrieren. Lass es einfach mal eine weile stehen. Irgendwann siehst du dann, dass das Gerät über längere Zeit die gleichen Werte anzeigt. Wenn es sich noch andauernd ändert, lass es noch länger da stehen. Hat es sich einmal bei dir eingelebt, kann es los gehen. Vergleich nun mal deine Werte vom Display des Thermohygrometer mit dieser Tabelle hier:

Optimales Lüften
(Bild Idee: Merkblatt 04.02, FFF-Schweizerischer Fachverband Fenster- und Fassadenbranche)

An dieser Stelle komme ich zu meinem Gratis Tipp: Wenn du zwei Geräte gekauft hast, kannst du das eine auf dem Fenstersims Aussen platzieren um die Werte in der Tabelle mit deinen Klimawerten in der Wohnung zu vergleichen.
Ich höre immer wieder diese Aussage: “Die Wohnung oder das Haus hat Bauliche Mängel und darum entsteht Schimmel. Ich bin sicherlich nicht der Schuldige!“  Klar, die Schuld auf etwas zu Schieben, dass sich nicht Rechtfertigen kann ist viel einfacher, als sich einzugestehen, vielleicht etwas falsch gemacht zu haben. Aber das ist doch nicht schlimm! Denn keiner ist Allwissend.

Du musst jetzt eigentlich nur noch deinen Thermohygrometer immer im Blick haben. Es heisst jetzt natürlich nicht, dass du jede Stunde zu diesem Ding hin rennen musst. Nein, Entwarnung. Nur einen Blick schenken wenn du an Ihm vorbei gehst, das war’s schon. Und die Aussenwerte mit dem Innenraumklima vergleichen und Schups hast du die richtige Voraussetzung um dem bösen Schimmel niemals zu begegnen.

Das Innenraum Klima an der Temperatur Aussen anpassen !

Wir sagen immer. Nicht die Wohnung oder das Haus, muss sich an DIR anpassen. Sondern die Bewohner der Wohnung oder dem Haus. Denn jedes Objekt, Liegenschaft oder Zimmer ist verschieden. Alte Häuser kannst du nicht mit einem Neubau vergleichen. Also musst du dein Verhalten anpassen, wenn du von einem alten in ein neues Haus oder von einer alten Wohnung in einen Neubau umziehst. Warum?
In einem älteren Haus, d.h. älterer Bauweise / Bausubstanz findet eine natürlich Luft Zirkulation statt.
Es zieht ein bisschen beim alten Holzfenster rein, die Haustüre ist nicht 3-fach abgedichtet, der Rollladenkasten sowie das Mauerwerk bieten einen natürlichen Luftaustausch.

Was machen wir gegen zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum / in der Wohnung?
Jetzt kommen wir wieder zum Anfang. L Ü F T E N. Einfach mal die Fenster richtig aufmachen. Stosslüften heisst das auch. Das heisst in einem Raum alle Fenster für ca. 10 – 15 Minuten weit aufsperren und frische, trockene, kühlere Aussenluft reinlassen. (Bitte kippe deine Fenster nicht. Das zählt nicht als Lüften! Durch dieses Fehlverhalten kühlt die Decke ab, weil die kalte Luft durchs Fenster rein kommt!) Wieso ist kalte Luft trocken? Im Winter bei kühlen Temperaturen ist es immer trocken. Auch wenn es schneit. Warum? Haben wir oben auch schon erwähnt: kühle Luft kann weniger Luftfeuchtigkeit / Wasserdampf aufnehmen. Also lass sofort die kühle trockene Luft in deine Räume und lass die warme, Wassergesättigte Raumluft nach draussen. Und das nicht nur einmal am Tag. Sobald du auf deinem Thermohygrometer wieder siehst, dass du zu Feuchte Luft hast, sofort wieder für ein paar Minuten die Fenster aufsperren. Natürlich nicht solange, bis du erfrierst. Nur solange bis die warme, nasse Luft rausbefördert wurde. Am Anfang der Überganszeit vielleicht 5 – 6 mal am Tag. Wenn niemand zu Hause ist, wird auch nicht so viel Luftfeuchtigkeit produziert. Also wird die Relative Luftfeuchtigkeit in deiner Abwesenheit auch nicht so schnell ansteigen. Nach Hause kommen, Kontrollblick auf den Thermohygrometer und wenn nötig kurz die Fenster auf. Natürlich auch nach dem Duschen bzw. Baden. Damit du nicht die ganze Feuchtigkeit in die anderen Räume ziehen lässt. Am besten die Türe zu und Fenster auf!

Zum Schluss noch etwas vom wichtigsten!
Du weisst jetzt wie die Feuchtigkeit in deinem Zuhause entsteht, wie du das optimale Raumklima schaffst und was du tun musst um die Wassergesättigte Raumluft los zu werden. Also achte jetzt zusätzlich auf ein kleines aber wichtiges Detail deiner Wohnungseinrichtung. Merke eines: KEINE Möbel direkt an Wände & vor allem an AUSSEN Wände stellen.
Regel: dichte Möbel wie ein Sofa, Schränke, oder sonstige sperrige Möbel nicht prall an die Wand klatschen.
Stelle sie
ca. 5 – 10 cm von der Wand entfernt auf.
Warum: um die natürliche Luftzirkulation deines Raumes nicht zu unterbrechen. Die Zirkulation wirbelt hoffentlich trockene Luft in der Wohnung herum. Im Schlimmsten Fall, wenn du Möbel zu dicht an der Wand hast, kommt keine Luft dahinter und es staut sich die warme, feuchte Luft an = Schimmelbildung. Es kann sogar Schimmel an der Rückseite deiner Möbel entstehen und anfangen zu riechen. Alles klar?

So nun weisst du so viel neues über das Thema “richtig Lüften“. Ich hoffe du kannst dies in deinen eigenen vier Wänden anwenden und dich vor dem Befall von Schimmel bewahren.

Es gäbe da noch 1000 Dinge die ich dir über dieses umfassende Thema erzählen könnte. Aber ich denke für den Anfang reicht’s mit dieser riesigen Bombe verpackt mit Infos. Für Fragen stehe ich dir natürlich gerne zur Seite & gebe dir persönliche Tipps und Ratschläge wenn du mir schreibst. Hat dir dieser Beitrag geholfen? Ich bin froh über deine Rückmeldung & wünsche gutes Lüften!

foehnlocke.ch