Gedanken am Seidenen Faden #3 – Abschied von Opa

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In diesem Dezember ist es schon 3 Jahre her. Eine lange Zeit. In der meine Gedanken immer wieder zu diesem schrecklichen Tag zurück kehren.
Die Bilder verschwimmen vor meinem Inneren Auge. Der Telefonanruf am Weihnachtsabend. Er ist weg. Für immer.

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Wir sitzen gerade gemütlich beisammen. Meine Familie und meine Oma. Mein Mami tischt gerade das fein riechende Weihnachtsessen auf. Alle freuen sich. Die Stimmung ist wunderbar festlich. Wir haben gerade unsere Teller gefüllt, als das Telefon die gemütliche Stimmung zerreisst. Mein Vater verzieht sich auf den Balkon. Wie er es üblich tut, wenn Geschäftliche Telefonate zu tätigen sind. Wir restlichen geniessen die ersten Bissen.
Mmmh fein. Nach kurzer Zeit kommt mein Vater wieder zu uns an den Tisch. Ich blicke Ihn an. Sein Augen voller Leid und den Tränen nahe.

Er sagte zu uns: Opa ist gerade gestorben.

Mein letzter Biss bleibt mir im Hals stecken. WAS? Habe ich gerade richtig gehört. Keiner der am Tisch sitzt spricht mehr ein Wort. Alle Blicke senken sich und ein stilles, unangenehmes Schweigen breitet sich über dem festlich gedeckten Tisch aus. Keiner getraute sich ein Wort zu sagen. Es war so leise, man hätte ein Haar fallen gehört. Nur der nichts ahnende Weihnachtsbaum flackert noch getraut vor sich hin. Mein Vater unterbricht die Stille: Wir müssen ins Spital. Die restlichen Geschwister meines Vater sind auch gerade informiert worden und machen sich jetzt auf den Weg. Mein Vater war im Spital als Notfall- Kontakt registriert. Mein Blick wandert erschrocken und verschüchtert zu meiner Oma. Ich hatte Angst. Angst Ihrem Blick zu begegnen. Ich sah Sie an. Sie war kreide blass. Sagte kein Wort. Mein Vater ging zu Ihr hin und half Ihr vom Stuhl aufzustehen. Ohne ein Wort zu sagen nahm er seine Mutter stützend beim Arm und führte Sie zur Wohnung hinaus.

Die restliche Familie sitzt immer noch am gedeckten Tisch. Der Steamer piepst. Es muss Wasser nachgefüllt werden. Meine Mutter verschwindet in der Küche. Man hört hektisches Gewerke und schnelle Schritte. Meine Schwester und ich sitzen noch am Tisch. Irgendwann. Keine Ahnung wie lange ich so da sass. Kullerte meine erste Träne. Meine Mutter setzte sich wieder zu uns. “Wir wussten dass es Ihm nicht gut geht“. Wir weinten alle am gedeckten Weihnachtstisch unter dem Weihnachtsbaum mit den Geschenken. Wir haben uns entschieden zur Kirche zu laufen und Kerzen für Opa anzuzünden. Es war eisigkalt. Still. Wir haben kaum ein Wort miteinander gesprochen. Die Zeit erschien mir wie still gestanden. Meine Gedanken waren verwirrt und ich war gar nicht wirklich in der Lage es zu realisieren. Ich wollte es nicht für Wahr haben. Mir war kalt und ich zitterte. Vor Trauer oder vor Wut. Ich weiss es nicht. Wir hatten die Möglichkeit ins Spital zu fahren. Ich konnte es nicht. Ich war so wütend. So überaus wütend auf mich. Endtäuscht, dass ich es nicht geschafft habe. Ich konnte meinen Opa nicht so sehen. Nicht so tot.

Ich wollte meinen Opa so in Erinnerung behalten, wie er war, wie ich Ihn kannte.

Jetzt. Wenn im Radio dieses Lied läuft. Sind meine Gedanke sofort bei Ihm. Der Song hat sich bei seiner Beerdigung direkt in
mein Herz eingebrannt. Und ich liebe es. Dieser Text passt zu Ihm. So wie er gedacht hätte. So wie er empfunden hätte. So wie er war.

“Bringe mir Blumen, solange ich noch Freude daran hab‘. Und nicht erst, wenn ich von dir gehen muss. Und hat’s im Leben nicht sollen sein, brauch ich auch keine Blumen, wenn ich gestorben bin.“

Klingt auf Hochdeutsch übersetzt irgendwie merkwürdig. Aber der Text berührt mich so tief in meinem Herzen, weil er genau so was gesagt hätte. Vielleicht hat er es auch einmal gesagt. Aber nicht zu mir. Warum ich jetzt dieses Gefühlsduselei hier überhaupt schreibe hat zwei wichtige
Gründe für mich.

Der Erste: Um vielleicht auf einen anderen Weg, mit dem Verlust klar zu kommen. Die Trauer zu verarbeiten und niederzuschreiben. Zu lindern. Weil ich jetzt weiss, dass ich meine Gedanken und Gefühle aufgeschrieben habe. Und jetzt keine Angst mehr haben muss, sie jemals zu vergessen. Das will ich auf keinen Fall. Dieses Erlebnis ist ein Teil meines Lebens und Dank dem Lied, kann ich zu jeder Zeit wieder in diese Gefühlswelt zurück.

Die Moral der Geschichte: Bitte mache nicht den selben Fehler wie ich !

Der Zweite: Möchte ich dir hier zeigen, was ich aus der ganzen Geschichte gelernte habe. Sozusagen die Moral aus der Geschichte zum Schluss.
Ich habe jetzt im Nachhinein etwas schreckliches feststellen müssen. Etwas das mir fast das Herz zerreisst. Etwas das mich stink sauer machen
lässt! Nicht wegen Ihm. Sondern wegen mir selber. Ein Fehler der mir erst im Nachhinein klar geworden ist. Ein so grosser Fehler, der mich
bis Heute mit der Trauer, dem Schmerz und dem Verlust nicht zur Ruhe kommen lässt.

Mein Opa war Krank. So Krank dass Ihn die Ärzte nicht mehr heilen konnten. Ich weiss nicht was Ihm wirklich fehlte. Ich weiss auch nicht ob Irgendjemand wusste was Ihm fehlte. Jetzt ist es mir auch nicht mehr wichtig. Ich weiss es geht Ihm jetzt gut. Ein – Zwei Mal habe ich Ihn im Spital besucht. Aber er war einfach nicht mehr der Selbe. Vielleicht hat er mich auch gar nicht mehr wiedererkannt. Aber die grösste Frage die ich mir JETZT stelle …

Habe ich Ihn jemals wirklich richtig gekannt?

Nein. Mir ist jetzt erst, JETZT WO ES ZU SPÄT IST, bewusst, dass ich Ihn eigentlich nie wirklich kennen gelernt habe. Wir waren als Familie zu Besuch bei meinen Grosseltern. In meiner Kindheit. Als kleines Mädchen. Ich kenne nur noch Bruchteile aus meiner Erinnerung.
Wer war er wirklich? Frage ich mich Heute.

Diesen schmerzlichen Fehler will ich auf keinen Fall wiederholen. Es tut mir innerlich so Leid, dass ich dies nicht früher realisiert habe. Als er noch lebte. Wieso habe ich keine Zeit mit Ihm verbracht? Wieso habe ich Ihn nicht kennen gelernt?
Eines steht Fest: Bei meinen 3 Grosseltern die ich jetzt noch habe, will ich diesen Fehler auf keinen Fall wiederholen. Ich will Sie kennen lernen. Ich will wissen wer Sie sind. Richtig. Nicht nur schöne Erinnerungen teilen. Sondern eine Beziehung. Eine Beziehung aufbauen die mich ein Leben Lang an Sie erinnern wird. Und ich mir wirklich sicher sein kann, dass ich einmal sagen werde: Ich habe Sie gekannt. ENDE.

 

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