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Am 8. Februar durfte ich schon meinen ersten Teil von Brigittas Interview zum Thema Zucht mit dir teilen. Jetzt findest du hier den zweiten und somit letzten Teil:

Wenn du den ersten Teil noch nicht gelesen hast, stelle ich dir im vorab gerne die liebe Brigitta Hofmann nochmal schnell vor:
Brigitta züchtet die wunderschönen Collies von der stillen Reuss. Aber auch Letty erblickte die Welt bei Brigitta. Alles zum L Wurf von Letty findest du ebenfalls auf Brigittas Webseite. 
Brigitta ist mit Hunden aufgewachsen und hat seit 30 Jahren eigene Hunde. Mittlerweile hat sie das grosse Glück Ihr Hobby „Hund“ als Beruf auszuüben. Sie betreibe ihre eigene Hundeschule, ist Dipl. Hundecoiffeuse und Hobbyzüchterin von Hunden und Katzen.

Teil 2 zum Thema: Zucht

Im ersten Teil von unserem Interview sind wir beim Decken der Hündin stehen geblieben. Also klappt es denn mit dem Decken immer beim ersten Mal?
Nein, überhaupt nicht. Manchmal mag die Hündin den Rüden nicht, oder sie ist noch nicht deckungsbereit. Oder dem Rüden gelingt in der Aufregung das Decken nicht, oder die Aufregung der Hundebesitzer stört, oder die Hündin ist noch etwas zu jung und bekommt Angst….oder…oder….oder.
Eine erfolgreiche Deckung ist Glückssache!

OK. Dann gehen wir jetzt einmal davon aus, dass es mit der Deckung geklappt hat.
Wie merkst du denn jetzt, ob es geklappt hat? Gibt es da Merkmale zu Beachten um zu sehen ob die Hündin trächtig ist?
Das ist so ziemlich das schwierigste Thema in der Zucht überhaupt. Es gibt viele Merkmale die auf eine Trächtigkeit schliessen lassen. Aber leider gibt es da noch die Scheinträchtigkeit. Das heisst: die Hündin glaubt selber dass sie schwanger ist, bringt alle Anzeichen dafür aber trägt keine Welpen.
Anzeichen für eine Trächtigkeit oder Scheinträchtigkeit können sein: der Bauchumfang nimmt zu,
die Hündin wird gemütlich und schläft viel, nach drei Wochen beginnt sie ein paar Tage lang zu erbrechen, die Zitzen werden grösser und später kann sogar Milch austreten, die Hündin zeigt Nestverhalten, scharrt viel und intensiv in ihrem Bett…

Wenn man nicht einfach geduldig sein möchte und es genau wissen will, gibt es auch hier verschiedene Möglichkeiten. Man kann die Hündin in der vierten Trächtigkeitswoche mit Ultraschall untersuchen lassen. Ein erfahrener Tierarzt sieht dann sofort, ob sie trächtig ist oder nicht. Oder etwas später kann man ein Röntgenbild vom Bauchraum der Hündin machen.
Oder man tastet den Bauch ab – ein erfahrener Züchter spürt dabei die Welpen. Oder man lässt das Ganze sein und wartet geduldig die 62 Tage ab.
Ab dem 55 Trächtigkeitstag spürt man dann auch die Welpenbewegungen im Bauch der Hündin.
Dann kann man auch sicher sein dass da etwas heranwächst.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht dass es nur ein einziges todsicheres Zeichen für eine Trächtigkeit gibt. Nach ca. 4 Wochen verliert die Hündin aus der Scheide etwas glasklaren, zähflüssigen Schleim. Wenn ich diesen Ausfluss beobachten kann, bin ich jeweils sicher dass Welpen unterwegs sind. Und ich habe mich noch nie getäuscht.
Eine scheinträchtige Hündin zeigt diesen Ausfluss nie!

Wow wie spannend!
Und wie geht es denn der Hündin während der Trächtigkeit?
Kann man das einschätzen?
Der Hündin geht’s während der Trächtigkeit sehr gut. Sie wird gemütlicher, schläft viel und möchte den ganzen Tag schmusen. Gegen Ende der Trächtigkeit wird sie öfters unruhig, sucht sich bequeme Betten und scharrt darin. Auch häufiges Hecheln ist normal. Meistens haben sie dann auch Heisshunger – allerdings sollte eine trächtige Hündin auf keinen Fall überfüttert werden.

 

Was bedeutet dir als Züchterin die Geburt eines neuen Wurfes?
Sind da immer echte Gefühle im Spiel?
Ich glaube, wenn man keine Gefühle mehr entwickelt, sollten man aufhören zu züchten!
Ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind auf Weihnachten! Zähle ungeduldig die Tage und kurz vor der Geburt die Stunden – achte auf jedes noch so kleines Zeichen ob’s bald losgeht – sage schon mal die Hundekurse ab wenn ich das Gefühl habe die Geburt geht los. Wenn die Welpen dann da sind sitze ich stundenlang an der Wurfkiste, verwöhne die Mutter mit Streicheleinheiten und knuddle und schmuse die Kleinen täglich mehrmals.

Natürlich geben die Welpen viel Arbeit – aber diese kleinen Wesen aufwachsen zu sehen,
ihre Entwicklung zu beobachten und später mit zu erleben wie sie erwachsen werden ist für mich das Grösste. Die Hunde- und Katzenzucht ist genau das was meinem Leben die Würze gibt.

Da merkt man richtig wieviel Herzblut hinter deiner Arbeit steckt!
Gibt es denn aber auch die Schattenseite einer Geburt? Hast du vielleicht auch schon selber negative Erfahrungen gemacht?
Bei jeder Trächtigkeit und Geburt ist die Angst und Sorge ein stetiger Begleiter.
Unsere Hunde und Katzen sind Lebewesen wie wir auch und es kann immer etwas schiefgehen.

Ja, ich habe auch schon einiges miterlebt. Welpen, welche schon im Mutterleib abgestorben sind und einige Welpen vergiftet haben. Mumifizierte Welpen werden geboren, Bakterien töten Neugeborene innerhalb von 1 Tag ab, ganze tote Würfe, Kaiserschnitte, deformierte Welpen, Hündinnen welche Welpen töten und fressen (warum auch immer), tot getrampelte Welpen und Mutterhündinnen die nach der Geburt ausgeräumt werden mussten. Das einzige was ich noch nie erlebt habe (und hoffentlich auch nie erleben muss) ist der Verlust einer Mutterhündin oder –Kätzin wegen oder nach der Geburt!

Ich hoffe natürlich auch, dass du Letzteres nie erleben wirst!
Gibt es auch etwas, dass du heute nach all deinen Erfahrungen anders machen würdest
als früher?
Eigentlich nicht viel. Ich würde wahrscheinlich nicht mehr einem Rasseclub beitreten. Um nicht mehr von diesem eingefahrene Schema abhängig zu sein. Ich will lieber nach Gefühl entscheiden, aber trotzdem sind für mich Gesundheitszeugnisse und Charakternachweise nicht aus der Zucht weg zu denken. Für mich sind gesunde Hunde viel wichtiger als Ihr Aussehen.

OK.  Und hättest du auch Tipps für Leute die selber mit dem Gedanken spielen mit dem Züchten anzufangen?
Das Wichtigste ist sich bewusst zu sein, dass die Zucht viel Zeit und vor allem Platz braucht. In einer kleinen Wohnung und ohne Garten ist es bestimmt nicht empfehlenswert. Natürlich muss man sich zuvor auch gut überlegen was für eine Rasse man züchten will. Dann sich gut informieren auf welche Kriterien alles geachtet werden muss und was man mischen kann / darf. Das aller wichtigste ist sicher sich viel Wissen anzueignen und sich nicht einfach willkürlich auf Tests einzulassen.

Gut zu wissen!
Jetzt nimmt mich noch wunder, wie du als Züchterin zu Tieren / Hunden
aus dem Tierheim stehst?

Ich finde das grundsätzlich eine gute Idee. Ich empfehle den Leuten einfach die Tiere bevor sie nach Hause geholt werden, sich mit dem Tier anzufreunden, vielleicht sogar einige Male mit dem Hund spazieren zu gehen, um das Tier einfach besser kennen zu lernen. Schauen ob die Chemie stimmt und das Zusammenarbeiten funktioniert.
Was man sich einfach im Hinterkopf behalten muss: dass man Gefahr laufen kann, sich mit einem Tier aus dem Tierheim ein Problem nach Hause zu holen, was wiederum viel Arbeit bedeuten kann und irgendwie auch gelöst werden muss.

Zum Schluss noch eine etwas heiklere Frage:
wie sieht es denn aus mit Hunden die aus dem Ausland “importiert“ werden?

Diese Hunde sehe ich nicht als Konkurrenz. Ich finde es nur ganz und gar schrecklich wie das Ganze abläuft.
Ich wäre sogar bereit, einem solchen Tier ein herzliches Zuhause zu geben, wenn ich im Gegenzug wüsste, dass die Produktion in diesem Land dort aufhören würde. Aber solange das Problem der unkontrollierten Hundeproduktion in diesen Ländern nicht gelöst ist, kann ich das nicht unterstützen. Leider darf man eine solche Meinung fast nicht haben, geschweige denn sagen. Man wird sofort als unsensibel angesehen und angefeindet, was ich sehr schade finde.
Es gibt bestimmt Organisationen die das ganz toll machen. Aber auch hier gibt es viele schwarze Schafe deren Ziel der Profit ist, wie halt überall. 

Was mich auch noch wunder nimmt, haben noch viele Leute, welche Welpen von dir übernommen haben, noch Kontakt zu dir? Melden die sich ab und zu?
Ich führe jedes Jahr ein Welpentreffen durch, da können alle unsere ehemaligen Hundewelpen kommen, die gerne wollen. Ich schätze etwa 70% aller Welpenkäufer sind noch in Kontakt mit mir. Sie schicken mir Fotos und halten mich auf dem Laufenden. Zum Teil haben sich sogar wirklich tolle Freundschaften entwickelt und ich freue mich immer riesig, wenn ich ein Foto zugeschickt bekomme. Von den jetzt schon etwas älteren Würfen höre ich eher nicht mehr so viel. Irgendwann lässt die Verbindung etwas  nach. Aber das ist der Lauf der Dinge.

Vielleicht zum Abschluss noch eine Frage, die jetzt nicht mehr viel mit der Zucht an sich zu tun hat,  aber vielleicht auch den einen oder anderen Leser interessieren könnte.
Was ist deine Meinung / Erfahrung zur Kastration bei Hunden? Was empfiehlst du?
Ich persönlich würde meine Hunde nicht kastrieren lassen.
Ausser es ist aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr anders möglich.
Denn wie wir Menschen haben auch Hunde einen natürlichen Zyklus und wenn man die Tiere kastriert, nimmt man ihnen diesen gesunden Ablauf. Je nach Rasse kann sich durch die Kastration auch die Fellstruktur verändern, vor allem bei langhaarigen Hunden. Was auch noch interessant ist: dass durch die Kastration Krankheiten auftreten können welche sonst evt. ausgeblieben wären. Also muss man sich bewusst sein, dass man durch diesen Eingriff in die Natur sein Tier zusätzlicher Gefahr aussetzt.


So jetzt sind wir auch am Ende unseres zweiten Teils angelangt. 

Ich möchte hier nochmals recht herzlich der lieben Brigitta Danken, dass Sie mir so nett zur Seite steht und mich hier auf foehnlocke.ch so sehr unterstütz. Um mir und natürlich vielen Lesern einen Einblick in Ihre tägliche Arbeit aber auch ins Thema Zucht Allgemein zu vermitteln. 

Wenn du Fragen an Brigitta hast, kannst du sie gerne im Kommentarfeld hinterlassen.
Oder melde dich doch direkt auf Ihrer Webseite – Collies von der stillen Reuss, wenn dich
noch was brennend interessiert 🙂 

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Written by Föhnlocke

    2 Kommentare

  1. Izabella 19. Februar 2018 at 16:07 Antworten

    Liebe Andy,
    Genau, wie der erste Teil war auch dieser wirklich sehr interessant. Es gibt einfach Dinge, mit denen ich mich nie auseinandersetze! Deshalb: Vielen Dank für diesen tollen Einblick.
    Kastrierung der Tiere ist natürlich ein schwieriges Thema, denn warum nehmen wir uns das Recht die Fortpflanzung der Tiere zu kontrollieren, während die Menschheit wächst und wächst? Andererseits sind viele Hundebesitzer nicht der Lage oder haben keine Lust ihre Tiere in Schach zu halten. Ich habe ja schon ein paar Mal geschrieben, dass genau solche Hundebesitzer bei mir in der Nachbarschaft leben. Ich freue mich gar nicht auf die Zeit, wenn die Dame Welpen bekommen wird….
    Viele Grüße, Izabella

    • Föhnlocke 20. Februar 2018 at 8:52 Antworten

      Hey Liebe Izabella
      Vielen Dank für deinen Kommentar. 🙂
      Ich werde Letty voraussichtlich auch nicht kastrieren, solange mir die Sache nicht über den Kopf wächst.
      Bisschen Angst habe ich zwar schon, vor Ihrer ersten Läufigkeit, weil ich nicht wirklich weiss, was mich erwartet.
      Natürlich verstehe ich das Handeln vieler Hundebesitzer, wenn Sie sich für eine Kastration entscheiden.
      Laut hören sagen, kann es bei manchen Hunden anstrengend sein. Aber ich lasse mich mal überraschen,
      wie Letty sich verhält 🙂 Am liebsten würde ich nicht auf diese Alternative zurückgreifen müssen.
      & dir wünsche ich natürlich, nur das Beste mit deiner Nachbarschafts- Dame 😛
      Liebe Grüsse Andy

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