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Im DogTalk mit Brigitta Hofmann – Colliezucht aus Überzeugung. Teil 1: Die Zucht

Ich freue mich riesig meinen ersten Interview-Beitrag in der Kategorie DogTalk mit Letty’s Züchterin,
der lieben Brigitta Hofmann von Collies von der stillen Reuss online zu bringen.
In den vergangenen Beiträgen von Letty ist das Wort: Züchterin schon einige Male gefallen,
jetzt haben wir die grosse Ehre Brigitta als Züchterin und Hundeliebhaberin besser kennen zu lernen
und natürlich auch etwas tiefer hinter die Kulissen einer professionellen Rassen-Hundezucht zu blicken.

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Kurz zu dir Brigitta, wie würdest du dich in zwei – drei Sätzen beschreiben? Um unserer Leserin / unserem Leser ein Bild von dir zu geben und um dich kurz vorzustellen.
 Ich bin bald 50 Jahre alt, mit Hunden aufgewachsen und halte seit 30 Jahren eigene Hunde. Die Tierliebe wird in unserer Familie enorm gross geschrieben, auch bei unseren Kindern. Mittlerweile habe ich das Glück dass ich mein Hobby „Hund“ zum Beruf machen durfte. So betreibe ich eine eigene Hundeschule, bin Dipl. Hundecoiffeuse und Hobbyzüchterin von Hunden und Katzen.

Warum hast du dich entschieden Collies zu züchten?
Mich haben diese sanften, intelligenten Hunde so beeindruckt,
dass ich meinen Beitrag zum Erhalt dieser Rasse leisten wollte.

Wieso hast du dich genau für die Rasse: Collie, entschieden?
Diese Wahl hat mir meine älteste Tochter abgenommen. Sie begeisterte sich für diese Hunde und so zog unser erster Collie bei uns ein. Innert kürzester Zeit war ich überzeugt von den tollen Hunden und bin ihnen bis heute treu geblieben.

Collies haben bestimmt auch ihre Vor- und Nachteile stimmt’s?
Selbstverständlich, wie bei jeder anderen Rasse auch. Die Vorteile sind aber schnell aufgezählt:
-Sanftmütig zu Mensch und Tier
-grundsätzlich sehr gut sozialverträglich
-klug, feinfühlig und hübsch anzusehen
-gehört zu den gesündesten Rassen überhaupt.

Nachteile:
-viele Haare und diese brauchen entsprechend Pflege
-ertragen keine harte Hand vom Führer
-zum Teil sehr sensibel
-wenn der Hund aus schlechter Zucht stammt, können chronische Krankheiten auftreten.

Um uns in deiner Welt der Hundezucht Einblick zu verschaffen, möchte ich gerne auch detaillierter auf die Zucht selber eingehen. Ich habe mich vor Letty nie wirklich mit diesem Thema befasst. Auch jetzt ist der Vorangehende Prozess, vor Lettys Entstehung noch eher ein unbekanntes Terrain. Also wenn wir mal von ganz vorne anfangen, was braucht es denn in der Schweiz für Voraussetzungen um überhaupt offiziell züchten zu können?
Naja, in der Schweiz darf grundsätzlich jeder Hunde züchten. Wenn man aber Hunde mit einem speziellen Stammbaum züchten will, braucht es einiges dazu:

  1. einen Hund mit SKG-Ahnentafel
  2. der Hund muss gewisse Gesundheitskontrollen durchlaufen und darf keine Auffälligkeiten aufweisen
  3. der zukünftige Zuchthund muss eine Körung durchlaufen, welche aus einem Wesenstest und einer Exterieur-Begutachtung besteht
  4. die Zuchtstätte wird kontrolliert ob sie überhaupt für eine Welpen Zucht geeignet ist
  5. der Züchter muss sich züchterisch weiterbilden und dies auch belegen können
  6. der Züchter sollte Mitglied sein im Rasseclub der zu züchtenden Rasse

Oben bei den Voraussetzungen hast du auch die Gesundheitskontrolle erwähnt,
auf was werden die Tiere denn genau getestet?

Das kommt enorm auf die Rasse an. Jede Rasse hat mit anderen gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da gibt es Tests für gesunde Augen, die Hüftgelenke und Ellbogen werden geröntgt, das Herz kann getestet werden. Bei einigen Rassen sind die Nasen mittlerweile so kurz, dass die armen Hunde kaum mehr Luft bekommen beim Atmen. Das Blut kann genetisch kontrolliert werden und vieles mehr. Leider sind diese Kontrollen nicht gesetzlich vorgeschrieben – man kann mit jedem Tier züchten ob krank oder nicht, solange es nicht übertrieben ängstlich oder aggressiv ist. Leider wird das aber kaum kontrolliert.

Und müssen beim Züchten auch spezielle Gesetze beachtet werden?
Im schweizerischen Tierschutzgesetz steht nur, dass man nicht mit ängstlichen oder aggressiven Tieren züchten darf und die Verpaarung darf keine Welpen hervorbringen, deren gesundheitlichen Probleme vorhersehbar sind. Sonst ist nichts vorgeschrieben. Aber wie schon gesagt, es wird praktisch nicht kontrolliert oder das bestehende Gesetzt auch angewandt.

Also kann ich auch selber “hobbymässig“ züchten?
Selbstverständlich geht das. Die meisten Züchter machen das hobbymässig. Von Hundezucht leben kann man nur wenn man extrem viele Hunde und Welpen hat.

Gibt es in der Züchter-Branche auch sogenannte “Schwarze-Schafe“?
Ja, leider schon. Es gibt sogenannten „Vermehrer“ welche Hunde produzieren um Geld zu verdienen oder Ruhm erlangen möchten. Oder solche welche die Hunde in erbärmlichen Unterkünften halten, ihnen keinen Auslauf und schon gar keine Unterhaltungsmöglichkeiten bieten, es werden Welpen in dunklen Kellern und Ställen aufgezogen, Welpen wachsen in völliger Isolation auf und haben später natürlich Schwierigkeiten sich im normalen Alltag zurecht zu finden usw.

Das ist ja schrecklich! Gibt es denn keine Kontrolleure oder Aufsichtspersonen?
Die gibt es nur bei Zuchten von Rasseclubs. Aber leider auch da werden manchmal nicht nur ein, sondern meist gleich beide Augen zugedrückt wenn etwas in der Zuchtstätte bei der Kontrolle nicht in Ordnung ist. Es gibt halt überall „schwarze Schafe“.

Um wieder zum Thema Welpen zurück zu kommen, macht dir züchten eigentlich viel Arbeit?
Im Grossen und ganzen schon ja. Vor allem wenn man die Aufzucht verantwortungsbewusst betreibt.
Zuerst muss die Zuchtstätte eingerichtet werden. Wenn die Welpen dann geboren werden bleibt der gute Züchter während der ganzen Geburt bei der Hündin und gibt ihr Nähe und Geborgenheit. Wenn die Welpen da sind will geputzt sein, die Welpen werden gewogen und täglich in den Arm genommen. Später möchten die Kleinen auf die Umwelt vorbereitet werden in Form von Ausflügen in die Natur, zum Tierarzt zur Kontrolle und das Leinenlaufen wird auch geübt.

Wie viel kostet dich denn so ein Wurf im Durchschnitt?
Das kommt enorm auf die Aufwendungen an. Muss der Deckrüde bezahlt werden oder gehört der zukünftige Vater mir selber? Wenn ich zum Rüden fahren muss: wo wohnt er? Da kommen schon mal 1‘000 km zustande und der 4 tägige Aufenthalt beim Rüden will auch bezahlt sein. Müssen die Welpen genetisch kontrolliert werden oder nicht? Wie viele Welpen sind in einem Wurf? Mit welchem Futter werden sie aufgezogen?
Wenn ich von einem normalen Wurf mit 6 Welpen ausgehe, der Vater mein eigener Rüde ist, kostet mich so ein Wurf Welpen ca. Fr. 2‘500.- inkl. Tierarztkosten, aber ohne Genttest’s.
Wenn jeder Welpe noch genetisch untersucht wird verdoppelt sich der Betrag!

Da kommt ja doch einiges zusammen.
Kannst du deine Kosten auch detaillierter beschreiben?

Natürlich. Meine Hunde müssen jeden Tag ernährt und die Fellpflege muss gemacht werden. Tierärztliche Untersuchungen, Impfungen, Erziehung, Ausrüstung wie Leinen, Halsbänder, Näpfe, Decken oder Betten, dann ferner eine oder (in meinem Fall) zwei Wurfkisten, Welpengehege, einen speziellen Raum für die Welpen, Spielzeuge, Welpenfutter, betreiben einer Homepage usw.
Kosten pro Jahr pro Hund: ca. 700.- Fr. mindestens.

Was sicher auch noch spannend zu wissen ist, wie sucht du dir einen “Deckrüden“ aus?
Gibt’s da Merkmale auf die du besonders viel Wert legst?

Ein Deckrüde kommt für mich nur in Frage wenn er die Unvollkommenheit der Hündin ausgleicht. Natürlich stimmt nicht immer alles – das gibt es fast nicht. Aber die Gesundheitsatteste müssen vorliegen und zur Hündin passen, der Charakter muss denjenigen der Hündin ergänzen oder derselbe sein und er muss mir gefallen. Das heisst er sollte schon dem Aussehen entsprechen dass ich züchten möchte.

Wieviel kostetet dich denn so ein Deckung einer deiner eignen Hündinnen?
Naja, wenn der Rüde mir selber gehört gar nichts.  Aber normalerweise bezahlt man für eine Deckung zwischen Fr. 600.- und 1‘500.-! Je nachdem was einem der Rüde Wert ist und was man möchte. Es gibt auch noch die Möglichkeit, dass man eine Pauschale in Höhe von ca. Fr. 300.- bezahlt und dann pro Welpe Fr. 100.-. Ich persönlich finde diese Art der Bezahlung fairer. Wenn man viele Welpen verkaufen kann,
darf die Deckgebühr auch etwas höher ausfallen, aber wenn dann nur zwei Welpen zur Welt kommen ist
Fr. 1‘000.- für den Deckakt schon hart.

Ja das stimmt. Und wie häufig deckst du deine Hündin bis es dann hoffentlich klappt?
Auch das ist unterschiedlich. Es gibt Hündinnen die deckt man einmal und sie tragen dann 8 Welpen aus. Andere deckt man an 7 Tagen täglich und es gibt nur vier Welpen. Wenn der Rüde im eigenen Haus ist lasse ich die beiden machen, dann können sie sich verpaaren so oft sie wollen. Wenn man mit der Hündin zum Rüden fährt deckt man grundsätzlich alle 2 Tage bis die Hündin nicht mehr will.

Ok hat das spezielle Gründe? Oder geht man da als Züchter einfach auf Nummer sicher? 😛
Ja das macht man so weil man weiss dass der Samen des Rüden ca. 48 Stunden in der Hündin überleben kann. Da man nie genau weiss wann die Hündin die Eisprünge hat, sorgt man so dafür, dass immer befruchtungsfähiger Samen in der Hündin ist und man so alle Eier befruchten kann. Sobald die Eisprünge vorbei sind, beisst die Hündin den Rüden wieder weg und dann ist es vorbei.
Entweder hat das Decken dann geklappt oder eben nicht.


So jetzt bist du am Ende meines 2-Teiligen Interviews mit Brigitta Hofmann angelangt.

Gerne werde ich in den nächsten Tagen den weiterführenden zweiten Teil zum Interview aufschalten.
Da geht’s genau so spannend weiter wie hier! Garantiert 🙂

Fragen wie: Klappt es mit der Befruchtung der Hündin immer beim ersten Mal? oder
Merkmale einer trächtigen Hündin und vieles mehr.

Bis dahin. Liebe Grüsse

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* Alle Bilder im Beitrag von, Brigitta Hofmann von Collies von der stillen Reuss

4 thoughts on “Im DogTalk mit Brigitta Hofmann – Colliezucht aus Überzeugung. Teil 1: Die Zucht

  1. Das finde ich mal richtig spannend!
    Ich weiß von einer Freundin, deren jüngere Hündin 1000€ gekostet hat. Zuerst habe ich das als viel empfunden, wenn man jedoch mal nachdenkt und dann auch noch solch einen Text, wie deinen, liest, wird einem schnell klar, warum ein guter Hund so viel kosten muss!
    Viele Grüße, Izabella

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