Gedanken am seidenen Faden #2 – Wenn das graue Leben wie im Schneckentempo vorbeizieht

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Warten, warten und nochmals warten.

Wir sind es ja mittlerweile gewohnt zu warten. Frühmorgens an der Kaffeetheke im Büro, auf den wichtigen Telefonanruf einer Freundin,
ja sogar auf den Postboten, der endlich das lang herbeigesehnte Packet liefern soll. Manchmal wünschte man sich, die Zeit verginge in diesen zähen Minuten ein wenig schneller. Ein blick auf die Uhr, tick tack tick tack.

 

In diesen Bruchteilen von Minuten komme ich mir vor, als würde die Zeit um mich herum ein vielfaches schneller verlaufen. Ja sogar im Zeitraffer vorbeidüsen. Als stehe ich an einem festen Punkt in meinem Leben auf dem Boden der Realität. Alle Leute wuseln um mich herum. Ihre Stimmen verzehren sich wie in Trance. Ich nehme nichts um mich herum mehr wahr. Und ich Frage mich:
Wieso ist die Zeit bei mir stehen geblieben? Warum trete ich immer auf der selben Stelle?

 

Stillstand = Rückschritt, heisst es doch so schön oder?

 

Ich höre immer wieder andere Leute Pläne schmieden und anschliessend von erzielten Erfolgen schwärmen. Sie werden befördert, machen einen neuen Lehrgang, bilden sich weiter, gehen in Abendkurse, nehmen Tanzunterricht, lernen viele Sprachen, gründen Familien und Firmen, heiraten, bekommen Kinder, bauen Häuser, kaufen teure Autos, reisen um die Welt oder fliegen zum Mond?

Ihre Leben sind voller Ereignisse. Während ich in diesen Momenten glaube, seit ein paar Jahren im Kreis zu laufen. Oder kommt es mir nur so vor?
Vor etwas mehr als 2 Jahre habe ich meine jetzige Arbeitsstelle angenommen und lebe in der selben Wohnung. Beförderungen oder Lehrgänge stehen keine bevor. Also kann man doch sagen, dass sich mein Leben seit ca. 2 Jahren nicht mehr viel verändert hat. Ich habe meinen Alltag gefunden, bin auch glücklich damit und Lebe so leise, schleichend vor mich hin. Manchmal wünschte man sich doch einfach aus diesem festgefahrenen Trott los zu reisen?

Und dann kommt dieser eine Tag. Auf den wir schon lange gewartet haben. Dieser eine Zündfunke der das gereifte, trockne, hoffende Häufchen Leben endlich wieder zum lodern bringt. Es vergehen ein paar Stunden der Euphorie. Wir zelebrieren den Augenblick der Befreiung und wollen ausbrechen, ausbrechen aus den klammernden Gestänge des grauen Alltags. Die Energie wird gesteigert, die Phantasie sprudelt und wir wollen endlich diesen grossen Schritt wagen. Wir bewegen zuerst das rechte Bein. Langsam und zögernd wird das Linke hervorgeschoben. Alle möglichen Konsequenzen, Niederschläge und Fehler flattern uns vor dem Inneren Auge wie ein tragischer Film vorbei. Mit einer Wischbewegung des linken Armes werden diese negativen Gedanken beiseite gestossen. Denn jetzt zählt nur noch das eine: Der Durchbruch, die Energie zur Tat umzusetzen und das Ziel zu erreichen!

Nächster Tag. Einer etwas schlaflosen Nacht. Kommt schleichend die schmerzende Ernüchterung.

 

Die Zeit vergeht im Schneckentempo.

Immer dann. Wenn wir auf etwas bestimmtes, schönes, interessantes warten. Vergeht die Wartezeit eine Ewigkeit. Die Zeit vergeht einfach nicht.
Wir möchten doch so gerne planen, unsere in der Phantasie bereit gestellten Ziele in die Tat umsetzten. In den ersten beiden Tagen können wir vielleicht bereits das eine oder das andere erledigen. Aber die wirklich spannenden Dinge sind noch Tage, Wochen oder sogar Monate entfernt.
In dieser Zeitspanne haben wir aber auch schon wieder Angst, all das geplante und vorgenommene zu vergessen. Wir schreiben alles auf.

Sei es für eine neue Weiterbildung. Einen Hauskauf. Wohltuende Ferien. Familienplanung. Eine grosse Party.

In dieser Zeit des Wartens, können wir Däumchen drehen und dem Sekundenzeiger zusehen wie er stetig seine gleichen Runden dreht.

 

Ich sage mir dann immer: Gute Vorbereitung – ist die halbe Miete!

Aber auch diese nimmt irgendwann ein Ende. Wer hat’s auch schon getan? Im Kalender die Tage durchzustreichen? Nur um immer wieder sicher zugehen dass auch JA wieder einer vorbei ist. Weisst du was ich das bittere an diesem Ritual finde? Eigentlich sind doch auch diese “durchgestrichenen“ Tage wert zu leben. Wir müssen doch auch aus diesen Tagen, das schönste daraus machen. Oder? Aber wir haben wie beduselt den Kopf voller Ideen für unsere zukünftige Wohnung oder die Runde- Geburtstagsparty. Vielleicht besorge ich auch schon Bücher für meine Weiterbildung.

Wie können wir aus dem grauen Alltag ausbrechen? Unsere festgefahrenen Tagesabläufe lockern? Um uns auf etwas zu freuen?

  1. Kleine Ziele stecken.
    Was wolltest du schon immer einmal machen? Vielleicht einen Kurzurlaub? Einmal wieder die Nächte durchfeiern?
    Ein Tattoo stechen lassen? Auf das Konzert deiner Lieblingsband? Eine neue Frisur? Oder ist es doch das neue schöne Abendkleid?
    Sobald wir uns kleine “Leckereien“ im Alltag als Ziel setzten, vergehen die Tage wie im Fluge & wir können uns auf etwas bestimmtes freuen.
  2. Einen Kurs / Weiterbildung besuchen.
    Etwas neues lernen kann befreiend wirken. Wir können uns Weiterentwickeln und von neuen Erkenntnissen profitieren. Geraten in neue Bekanntenkreise, lernen viele neue Leute kennen. Im Job und auch im Privaten können wir von der investierten Zeit profitieren.
  3. Freunde treffen.
    Wer kennt es nicht? Morgens geht’s zur Arbeit, kurze Mittagspause, Nachmittag nochmals ackern und Abends kommt man K.O von der Arbeit nach Hause. Am Wochenende muss noch Dies und Das erledigt werden und Schwupps ist der Sonntag Abend schon wieder zum greifen nahe.
    Frühe haben wir vom Freitag Abend bis zum Sonntagmorgen durchgefeiert, unsere Sozialen Kontakte gepflegt. Wenn wir uns heute am Wochenende zum Grillieren treffen ist das auch schon ein eher ausnahmsweise gelungenes Treffen. Also können wir doch wieder gezielter Termine mit unseren Freunden vereinbaren. Vielleicht einmal im Monat ein schönes gemütliches Abendesse? Schwimmen gehen, Kino, Zoo,
    Shoppen, ein gemütliches Beisammensein, so wie früher?
  4. Ein neues Hobbie entdecken.
    Was für ein Spass! Sich wirklich mal wieder bewusst Zeit nehmen für etwas besonderes. Das wir wirklich gerne thun. Zeichnen, basteln, nähen, lesen, Blümchen pflücken, wandern, singen, turnen, es gibt so vieles, das wir mit der Zeit vergessen haben. Etwas das wir gerne gemacht haben, sei aber vielleicht durch Zeitmangel einfach vergessen ging.

 

Also lassen wir doch unsere grauen “Alltags- Tage“ versüssen und neuen Schwung in die ausgelaugte Phase bringen. Wir müssen doch nicht jeden Tag daran denken, Geld zu verdienen. Sondern wir können uns doch auch auf die schönen Dinge im Leben freuen. Und wenn es diese nicht geschenkt gibt, müssen wir uns eben selber dafür einsetzten, diese in unser Leben Einzug zu halten. Ein Arbeitstag geht viel schneller vorbei, wenn Ihr wisst, was am Abend auf Euch wartet. Ja sogar die ganze Woche vergeht wie im Fluge, wenn das Wochenende etwas verlockendes bringt.
Verbringen wir doch die Zeit nicht mit ewigem warten. Sondern verzücken unser Leben mit kleinen schönen Ereignissen und bringen so viel mehr Freude und Licht in unsere düstere Arbeitswelt. Klar Arbeit geht natürlich vor. Also denkt nicht den ganzen Tag nur an das “EINE“. Sondern bleibt auch bei der Arbeit bei der Sache. Sonst endet das nicht gut 🙂

 

Ich freue mich schon auf den Grillabend am Samstag Abend bei unseren lieben Nachbarn. Was habt Ihr so vor?

 

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