Auf der Wanderung vom Gewitter überrascht

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Wir haben eine nette, kleine Wanderung geplant.
Meine Schwester, Letty und ich. Bis Mittag wollten wir wieder zurück sein,
waren wir auch, aber nicht ohne nass zu werden. Nicht vom Schwitzen natürlich,
nein, der liebe Wettergott stand nicht auf unserer Seite.

Der Berg ruft.
Luis Trenker

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Kleines Päuschen und natürlich die Aussicht geniessen 🙂

Es ist innert weniger Wochen unser zweiter Aufstieg. Der Berg, der Gipfel ist das Ziel.
Aber auch die Aussicht, die Stille, die Einsamkeit und das Gefühl von purer Freiheit, lässt die Atmosphäre hier oben befreiend wirken. Wie Medizin könnte man schon fast sagen. Ein Aufatmen. Die frische Luft füllt die Lunge mit Energie und Willensstärke das Ziel zu erreichen.

Letty geniesst es hier oben zu sein. Wie eine kleine Gämse springt sie im Wald herum und balanciert auf dem steinigen Untergrund umher, dass mir bei diesen wagemutigen Aktionen manchmal fast das Blut in den Adern gefriert, scheint ihr dabei völlig egal zu sein.
Was soll ich sagen, sie ist definitiv die mutigere von uns beiden 😛

völlig schutzlos und ausgeliefert

Die Fahrt mit der Seilbahn zur Bergstation verlief hervorragend. Letty kauerte auf dem Boden der Vier-Mann Kabine. Nur das Geschaukel beim Überqueren der Masten, gefiel ihr nicht besonders. Wo sie sich dann flach auf den Bauch legte um danach etwas beduselt wieder aufzusitzen. Aber für ihre dritte Fahrt, macht sie das Spektakel in der Höhe wirklich entspannt mit 🙂

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Der kleine Bergsee von oben mit Sicht ins Tal.

Von der Seilbahn erreichten wir nach wenigen Gehminuten den dunklen Bergsee. Wir können den Anblick aber nicht alleine geniessen, es sind schon zahlreiche Wanderer und Schaulustige um den See versammelt und geniessen den wärmenden Sonnenaufgang, der langsam mit hellem Licht durch die Tannen auf den See schimmert. Wir biegen am Ende des kleinen Sees in den Wald hinein, wo unser Aufstieg durch den Nadelwald beginnt. Unseren ersten Rast geniessen wir auf einer Holzbank um die Weite, den Ausblick über das Thal, das Bergpanorama zu geniessen. Schnell ein paar Fotos knipsen, einen Schluck trinken und weiter geht die Reise.

Als auf einmal mein Handy in der Hosentasche anfängt zu klingeln. “Wo seid Ihr? Es kommt eine dicke schwarze Wolke auf Euch zu, es donnert und blitzt gewaltig!“ Waaaaas? Wo? Wir sehen nur blauer Himmel und weisse Schäfchenwolken?! Wir befinden uns gerade in einem kleinen Seitental, unter unserem eigentlichen Ziel – dem Gipfel. Na bravo, das hat uns jetzt gerade noch gefehlt. Und was jetzt?
Kaum habe ich das Telefonat beendet, klingelt es zum zweiten Mal. Nun erzählt mir meine Mutter
die selbe Elends Geschichte und warnt uns wieder umzukehren.

Wir sind schon seit Jahren nicht mehr auf dieser Tour gewesen. Keine Ahnung wo wir uns auf der Strecke genau befanden. Als die ersten kleinen Regenboten, pflatschend auf den staubtrockenen Waldboden fielen.
Letty welche schwanzwedelnd schon einige Meter Vorsprung hatte, kümmert sich überhaupt nicht um’s heranbrausende Gewitter und die missliche Lage, in die wir geradewegs hineinmarschierten.
Über den nächsten Abschnitt gekrakselt, blickten uns die schwarzen Regenwolken böse entgegen und wir standen ratlos neben einem Heidelbeerstrauch. Kurz ein Paar naschen. Unsere Entscheidung: Weiter gehen!
Schnelleres Tempo anschlagen um so schnell wie möglich zur Berghütte unterhalb des Gipfels zu gelangen.
In meinen Gedanken sah ich das Schild, welches ich zum grossen Glück in der Talstation während des Wartens bis zur Losfahrt, kurz studiert habe: Berghütte bewartet. Also blieb uns eigentlich keine andere Wahl, weder geradewegs ins Gewitter zu laufen. Denn Umkehren betrachteten wir beide als völlig nutzlos, denn der Abstieg durch den Wald und die rutschigen Wurzeln und mit Moos bedeckten Steinplatten, wird eine endlose Geschichte, zu gefährlich und wahrscheinlich eine weitere Strecke, als der Aufstieg zur Hütte.

Habe ich schon erwähnt, dass ich morgens um 06:00 Uhr bevor ich meine Schwester abholte, den Wetter Regen Radar gecheckt habe? = KEIN REGEN, erst ab 14:30 Uhr Schauer…
Na Danke lieber “Wetter Radar“

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Hilfe das Gewitter kommt – schnell weg hier! Nur wo hin?
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Und ja, es hat geregnet…

Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler.

Johann Wolfgang von Goethe

Also liefen wir im Eiltempo Bergauf. Kletterten über die grossen Steine immer weiter hinauf. Letty hüpfte dabei fröhlich vor uns her, als wäre die Welt aus Kaugummi. Meine Lunge schmerzte schon, weil ich einen komischen Atmen-Rhythmus angeschlagen habe. Und die Regenjacke ist auch nicht gerade praktisch, bei 25 C°, kommt man noch etwas mehr ins Schwitzen während des bergauf Marathons. Im Wettrennen gegen das Gewitter. Es fing immer mehr an zu tropfen. Die Zeit läuft. Plötzlich ein lautes grollen. Mein Atem beschleunigte sich nochmals. Wann sehen wir endlich diese doofe Hütte! Die muss doch bald hier sein.
Auf einmal erscheint der Gipfel mit dem Kreuz zu unseren rechten. YES! Es kann also nicht mehr weit sein.
Aus einzelnen Tropfen wurden zwischenzeitlich schon ein mittelprächtiger Wasserfall. Der aufbrausende Wind, welcher sich zwischen den kalten Felsen hindurchzwängte, peitschte uns die harten Regentropfen ins Gesicht. Wir sprintenden über die Wiesen in Richtung Hütte. Nur noch ein paar Meter.

Es ist unglaublich wie schrecklich sich diese Situation angefühlt hat. So grausam. Angst. Panik.
Innerlich fängt man zu überlegen: „Wo versteckt man sich hier in diesem Gebirge am besten?
Wo schlägt der Blitz als nächstes ein? Werden wir heil ankommen?“

Was ist wenn? …

Ich hatte zwischenzeitlich wirklich Angst. Mein Herz raste wie wild. Und ich überlegte, wie ich meine Schwester, Letty und mich sicher zur Hütte bringe. Ich fühlte mich verantwortlich für Sie. Was tun erfahrene Bergsteiger in dieser Situation? Meine Gedanken rasten und entschieden sich dazu:

Lauf um dein Leben!

Auf der Hütte angekommen, blickten uns schon etliche selbst gestrandete Wanderer entgegen.
Klatschnass und tropfend, wie begossene Pudel standen wir drei vor der Holztür.
Letty schüttelt sich das Regenwasser aus ihrem Fell und schnuppert den Duft von aufgebrühtem Kaffee
durch den Türschlitz. Mein Blick bleibt am dort befestigten Schild hängen:

Rucksäcke, Stöcke und Hunde bleiben draussen.

Gleichzeitig steht der Hüttenwart neben uns und bittet uns herein. “Für den Hund kann ich Euch leider kein trockener Unterschlupf bieten, er muss draussen bleiben“ Meine Augen weiteten sich und der Hüttenwart, bemerkte meine Endtäuschung. “Du kannst ihn ja hier anbinden, der wartet schon, Hunde sind sich das gewohnt, nicht so wie wir Menschen“ und läuft wieder hinein.

OK. Aber was? nochmal bitte? Ich soll Letty bei diesem Gewitter einfach hier draussen, im Regen anbinden und sie alleine lassen? Geht’s noch? Wir entscheiden uns auf die Windgeschütze Seite der Hütte auf dem “noch“ trockenen Bank niederzulassen. Letty drückt sich an mich und kauert unter dem Tisch zusammen.
Der Regen wurde immer stärker und schleicht sich langsam und böse ums die Hausecke. Als wollte er uns vertreiben. Von diesem einzigen trockenen Plätzchen. Wir mussten rein, wir waren jetzt nicht nur klatschnass, wir zitterten vor Kälte. Ich zog Letty hinter mir her. Ich wollte sie nicht alleine lassen.
Nicht bei diesem Wetter. Es donnerte und blitze in getrauter Absprache.

Wir schlichen uns in den Vorraum der Hütte. Dort wo Rucksäcke, dreckige Wanderschuhe, tropfend nasse Jacken und Stöcke ihren Platz fanden. Letty schnüffelte umher. Meine Schwester stiess die Tür zum Inneren der warmen Hütte auf. Die Scheiben sind schon angelaufen, da jetzt draussen die Temperatur wie im Sturzflug gesunken ist. “Darf Letty nicht im Vorraum unterstehen, solange es so regnet?“ Der Hüttenwart, sah Letty an, dann mich und meinte: “Man muss sich halt vorher überlegen, wenn man sich so ein Tier anschafft.“ Für mich war klar, aus Freundlichkeit ein Kaffee zu trinken, Trinkgeld zu geben und dann, sobald der Regen etwas nachliesse, diese Hütte sofort wieder zu verlassen. Die Hüttenwartin meinte zu meiner Schwester: “Wir haben früher gerne Hunde hier empfangen, aber wir können dies heute nicht mehr zulassen. Denn wir müssen auch auf die anderen Gäste Rücksicht nehmen, die sich am Geruch der nassen Hunde gestört fühlten“

Wir verbrachten also knapp 30 Minuten im Vorraum, bis der Regen es zuliess, die Hütte wieder zu verlassen. Danach stürzten wir uns in die immer noch nassen Regenkleider und verliessen die Hütte mit grossen Schritten. Bergab. Es regnet nur noch ein wenig. Der Nebel zieht an uns vorbei und liess die ganze Stimmung hier oben wie an einem verspuckten Herbsttag an Halloween wirken. Nach einiger Zeit liess der Regen ganz nach und die Sonne strahlte hinter den letzten Regenwolken hervor.

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Wenn sich der Regen verzieht…

Hunde verboten!

Ich bin wirklich etwas bedrückt und wütend. Natürlich kann ich es verstehen, dass nicht alle Leute gerne Hunde haben. Aber gerade in einer solchen Lage, nicht mal ein Auge zu zudrücken, schien für mich in dieser Situation unpassend. Ich werde in Zukunft bevor ich eine Tour plane, die Hütte auf unserem Weg kontaktieren, ob wir Willkommen sind oder nicht. Ansonsten werde ich wahrscheinlich, dieses Risiko von einem Gewitter überrascht zu werden nicht mehr eingehen und mir dann lieber einen anderen Wanderweg suchen.

Bist du auch schon über ein “Hunde verbot“ gestolpert? Oder fühltest dich als Hundebesitzer vor den Kopf gestossen? Bin gespannt was deine Erfahrungen sind 🙂

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Hier oben angekommen – ist die Welt in Ordnung.
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Gipfel #1 gehört uns!

Ein Gipfel gehört dir erst wenn du wieder unten bist.
Denn vorher gehört du ihm.

Hans Kammerlander, Bergsteiger

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